Meiers Traum von San Siro

Prominenter Besuch in Stenum: Auf Einladung der Volksbank Ganderkesee-Hude hielt der ehemalige Fußballschiedsrichter Urs Meier (Schweiz) einen Vortrag zum Thema „Zwischen den Fronten – Entscheidungen unter Druck“. Im Vorfeld stand der frühere Fifa-Referee und heutige TV-Experte Rede und Antwort.

Urs Meier referierte in Stenum.

Frage: Zwischen den Fronten waren Sie auch jahrelang als renommierter Schiedsrichter. Wie sind Sie zu dem Beruf des Unparteiischen gekommen?

Meier: Ich mag den Fußballsport unheimlich gerne. Mit 14 Jahren habe ich festgestellt, dass es für mich als Fußballer nicht reicht. Ich wollte aber unbedingt einmal vor 69 000 Zuschauern im Stadion San Siro einlaufen. So arbeitete ich auf meine Schiedsrichterkarriere hin. Mit 18 Jahren dann wurde ich Schiri.

Frage: Ging Ihr Traum San Siro in Erfüllung?

Meier: Ja. 1991 war ich dort als Assistent. Beim Spiel AC Mailand gegen KV Mechelen. Und es war eine mentale Höchstanforderung für mich. Es gab allein 36 Abseitsentscheidungen.

Frage: Auch in der Bundesliga gibt es immer wieder schwierige Entscheidungen - besonders zuletzt beim Phantomtor von Stefan Kießling. Hätte ihrer Meinung nach das Spiel wiederholt werden müssen?

Meier: Im Prinzip sind Schiedsrichterentscheidungen immer Tatsachenentscheidungen. Der Spielführer der TSG hätte nach dem Tor, aber vor Wiederanpfiff, beim Schiedsrichter protestieren können. Dann hätte der Unparteiische seine Entscheidung sofort korrigieren können. So ist übrigens das Regelwerk Fußball auf der ganzen Welt.

Frage: Wäre es nicht fair gewesen, wenn der Torschütze selber zum Schiedsrichter gegangen wäre und ihn informiert hätte?

Meier: Hätte Kießling das gemacht, wäre ihm mit Sicherheit wohler ums Herz gewesen. Vielleicht hätte er auch einen Fairnesspreis bekommen. Aber heutzutage werden die Fußballspieler nicht zu sportlicher Fairness erzogen. Im Fußball wird viel betrogen, wie etwa bei den „Schwalben“. Ich selber erwarte nicht mehr, dass jemand im Fußball eine derartige Geste der Fairness macht.

Frage: Es wird viel diskutiert bezüglich des Elektronikchips im Ball – was halten Sie davon?

Meier: Der elektronische Chip im Ball ist sinnvoll. Der Ball ist oft zu schnell für das menschliche Auge. Und um in kniffligen Situationen sicher sein zu können, ist die elektronische Erkennung sehr hilfreich.